Das Rentenproblem
"Die Rente ist sicher" - dies waren die Worte des damaligen Sozialministers Norbert Blüm. Die Realität bei der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland lässt jedoch erahnen, welche gewaltigen sozialpolitischen Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Altersvorsorge richtig in den Griff zu bekommen. Die Probleme sind eigentlich schon lange bekannt:
Überalterung der Bevölkerung
Die Überalterung der Bevölkerung führt zu einem sinkenden Rentenniveau wenn nicht die Beitragssätze überproportional ansteigen würden.
Deutlich gestiegene Lebenserwartung
Eine dramatisch gestiegene Lebenserwartung bedeutet auch die erneute Ausrichtung und finanzielle Planung der Altersvorsorge auf eine längere Zeitphase im letzten Lebensabschnitt. Nach den neuesten Sterbetafeln - Kalkulationsgrundlage für die privaten Lebens- u. Rentenversicherungen - hat ein heute geborenes Mädchen gar eine Lebenserwartung von 102 Jahren.
Zunehmender Rückgang der Geburten
Immer weniger Geburten sorgen dafür, dass wir kein gesundes Bevölkerungswachstum mehr erleben.
Kürzere Lebensarbeitszeiten
Geringere Lebensarbeitszeiten sorgen dafür, dass immer weniger Beiträge in das gesetzliche Rentenversicherungssystem fließen. Die Erwerbsbiografien verlaufen nicht mehr so geradlinig und kontinuierlich wie in der Vergangenheit. Längere Phasen von Arbeitslosigkeit machen immer häufiger auch einen Strich durch die geplante Altersversorgung.
1960 stand einer Lebensarbeitszeit von 40 Jahren eine Rentenbezugszeit von 6 Jahren gegenüber, heute ist die Erwerbsphase auf rund 35 Jahre gesunken aber die Rentenbezugszeit stieg auf rund 20 Jahre. Schuld an dieser Situation sind immer längere Ausbildungszeiten mit entsprechend höheren Qualifikationen, der medizinische Fortschritt und andere Tätigkeiten, die einer geringeren körperlichen Anstrengung bedürfen.
Die genannten Einflussfaktoren haben dazu geführt, dass die Sozialversicherungsbeiträge 1960 von 25,1 auf heute 42,1 Prozent gestiegen sind. Fachleute haben berechnet, wenn keine weiteren Maßnahmen getroffen würden, würde der Beitrag bis 2040 auf bis zu 69 Prozent steigen. Dann wäre tatsächlich absehbar, wann man sein schwer verdientes Geld komplett dem Staat direkt überweisen kann, zählt man die Belastung durch Steuern noch hinzu.
Sollen weitere Beitragserhöhungen vermieden werden, geht dies nur über harte Leistungsschnitte. Bisher auf die Renten anrechenbare Zeiten wie Schul- und Hochschulausbildungszeiten werden gestrichen, Hinterbliebenenrenten angerechnet, abschließbare Riester-Renten zu Obligatorien für die Rentenformel umgewandelt.
Die gesetzliche Rente wird damit künftig nicht mehr den Lebensstandard, sondern höchstens die Existenz sichern.
Zukünftige Rentner werden - bei ansonsten gleichen Voraussetzungen - real rund 15 Prozent weniger an Rente zur Verfügung haben. Die heutige Durchschnittsrente liegt bei ca. 1.000,- Euro. Von diesem Geld kann künftig gerade mal die Miete gezahlt werden. Wer hier nicht in den finanziellen Notstand geraten will, der muss rechtzeitig schon weit vorausschauend die richtigen Konsequenzen aus dieser sich neu ergebenen Situation ziehen.
Die Renteninformation u. Versicherungsverlauf - Aufklärung hilft weiter
Die gesetzliche Rentenversicherung bietet ihren Kunden ein spezielles Informationspaket zur Planung ihrer Altersvorsorge: Die Renteninformation. Sie ist sozusagen ein Kontoauszug der bisher erworbenen Rentenansprüche. Seit Mitte 2002 erhalten alle Versicherten über 27 Jahren nach und nach ihre erste Renteninformation. Ab 2005 bekommt sie jeder einmal jährlich automatisch per Post ins Haus - vorausgesetzt sie/er hat zu dem Zeitpunkt schon fünf Beitragsjahre im persönlichen Rentenkonto.
Auf einen Blick sehen Sie den aktuellen Stand Ihres persönlichen Rentenkontos, Ihre bislang erworbenen Rentenansprüche, die Höhe einer Rente wegen voller Erwerbsminderung, eine Hochrechnung Ihrer künftigen Altersrente.
In der Renteninformation wird Ihnen die Höhe Ihrer künftigen monatlichen Altersrente mit Vollendung des 65. Lebensjahres in drei Varianten angegeben:
- ohne Berücksichtigung der künftigen Rentenanpassungen,
- mit Berücksichtigung künftiger Rentenanpassungen in Höhe von jeweils 1,5% jährlich und
- mit Berücksichtigung künftiger Rentenanpassungen in Höhe von jeweils 2,5% jährlich.
Wir empfehlen allerdings aufgrund der großen zukünftigen Unsicherheiten die Variante ohne Berücksichtigung künftiger Rentenanpassungen als Grundlage für die Planung Ihrer privaten Altersvorsorge heranzuziehen.
Die Renteninformation gibt Ihnen Auskunft über alle Beiträge, die bisher auf Ihr Rentenkonto eingezahlt wurden sowie über sämtliche Zeiten, die für die Berechnung Ihrer individuellen Rente von Bedeutung sind. Voraussetzung ist, dass Ihrem Rentenversicherungsträger über diese Versicherungszeiten Nachweise vorliegen.
Mit der ersten Renteninformation bekommen Sie darüber hinaus einen detaillierten Versicherungsverlauf. Wie in einem Kontoauszug sind in ihm alle Versicherungszeiten genau aufgeschlüsselt. Wenn Sie Lücken in Ihrem Versicherungsverlauf erkennen, sollten Sie schnell mit den Beraterinnen und Beratern Ihrer zuständigen Deutschen Rentenversicherung Bund (ehemals BfA) oder der entsprechenden Landesgeschäftsstelle (ehemals LVA-Geschäftsstelle) darüber sprechen, die Ihnen sagen, ob und wie Sie diese Lücken auch nachträglich noch schließen können, damit Sie später bei der Rente kein Geld verlieren.
Ab 2005 bestimmt das neue Alterseinkünftegesetz über die weitere Rentenentwicklung, Besteuerung von Altersbezügen sowie betrieblicher und privater Vorsorge. Die neuen Regeln sollte jeder kennen, um die eigene Altersvorsorge richtig zu gestalten. Das bisherige drei Säulen Modell (gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersversorgung, private Altersvorsorge) wird durch das drei Schichten Modell ersetzt.
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